Italien 🇮🇹 - Toskana, Ostia Antica und die Weiße Stadt
Sven Walther
Toskana: Certaldo
Weiter geht es bis in die Toskana, und hier bleiben wir gleich eine ganze Woche. Bei Certaldo finden wir auf einem kleinen Weingut einen Stellplatz. Das Tor dorthin ist allerdings… sehr, sehr eng. Aber das Mammothon passt durch, und damit steht unserem Aufenthalt nichts mehr im Weg.

Das Mammothon zwischen den Zypressen
Und die Umgebung ist genau so, wie man sich die Toskana vorstellt: sanfte Hügel, Weinberge, Zypressen und mittendrin der Ortskern von Certaldo, der oben auf dem Hügel thront. Stellt sich raus: Das ist die Heimat von Giovanni Boccaccio, dem Dichter des Decamerone. Wir hatten das ehrlich gesagt nicht gewusst, schauen uns aber trotzdem sehr gerne in seinem Städtchen um.

Certaldo auf seinem Hügel
Die Altstadt ist ein Traum aus Backstein: enge Gassen, Türme, ein Platz mit einem Palazzo, dessen Fassade voller Wappen steckt, und überall dieser warme Ton in der Septembersonne. Zwischendrin hängt an einer Mauer ein großes Wandbild mit eingestürzten Häusern und einer Gestalt im Vordergrund, das so gar nicht zum Postkartenbild passen will und uns deshalb länger stehen bleiben lässt.

Der Palazzo mit den vielen Wappen

Gasse in Certaldo

Ein Wandbild, das nachdenklich macht
Und dann finden wir fußläufig, wobei „fußläufig“ hier durchaus ein paar Minuten bedeutet, eine Pizzeria, die offenbar nicht allzu viel mit Touristen zu tun hat. Die Pizza dagegen? Meisterklasse.
Saskia wagt sich sogar einmal mit dem Klapprad hinunter nach Certaldo zum Einkaufen. Der Hinweg ist ja noch ganz entspannt. Der Rückweg zu unserem Stellplatz oben auf dem Berg ist dann allerdings ein ziemlich schweißtreibendes Fitnessprogramm. Lou schaut sich das Ganze von ihrem Sitzplatz zwischen den Zypressen aus an und hält sich mit Kommentaren zurück.

Lou auf ihrem Platz
Die Toskana und Italien haben uns gepackt.
Ostia Antica
Nach einer Woche geht es weiter nach Rom, oder genauer gesagt nach Ostia kurz vor den Toren der Stadt. Es ist unglaublich heiß, aber wir haben einen Campingplatz mit mehr als 1.000 Stellplätzen fast für uns allein. Die Saison ist offensichtlich vorbei. Die gute Nachricht: Schwimmbad und Restaurant haben noch geöffnet.
Am Sonntag besuchen wir trotz der Hitze die Ruinen von Ostia Antica. Die Hafenstadt an der Mündung des Tiber war einmal das Tor Roms zum Meer, und es ist wirklich faszinierend zu sehen, was die Menschen im Römischen Reich vor rund 2.000 Jahren alles bauen, organisieren und im Alltag nutzen konnten.

Das Theater von Ostia Antica
Neben dem Theater gibt es ein Capitolium mit breiter Freitreppe und hoch aufragenden Backsteinmauern, und in den ehemaligen Thermen liegen noch heute Mosaike mit Seeungeheuern und Meerwesen auf dem Boden. Unter den Pinien zwischen den Ruinen ist es sogar fast auszuhalten.

Das Capitolium

Mosaik mit Meerwesen
Besonders beeindruckend finden wir die öffentlichen Latrinen: eine lange Reihe von Sitzen nebeneinander, mit einer Wasserrinne davor. Privatsphäre wurde offenbar überschätzt. Apropos: Nicht alles, was die Römer erfunden haben, hat sich durchgesetzt.

Die öffentlichen Latrinen
Es ist außerdem der erste echte Test für Lous neuen Rucksack. Wir wollen sie bei dieser Hitze auf keinen Fall selbst laufen lassen, also darf sie auf unserem Rücken mitreisen. Und es funktioniert prächtig.

Lou fährt mit
Direkt neben den Ruinen steht außerdem das Castello di Giulio II, eine Festung mit rundem Wehrturm und Zinnen, die der spätere Papst Julius II. hier im 15. Jahrhundert errichten ließ.

Das Castello di Giulio II
Dublin: Wetterwechsel
Im Lauf der Woche bekommt Sven für die Arbeit einen kompletten Tapetenwechsel und fliegt nach Dublin in Irland. Ein ziemlicher Kontrast, vor allem beim Wetter.

Grün in Irland
Auf dem Rückflug hat Svens Flugzeug wegen eines schweren Unwetters mehr als eine Stunde Verspätung. Und kaum zurück, erzählt ihm Saskia, dass das Gewitter in Ostia vermutlich das heftigste Wetter war, das sie je beim Campen erlebt hat. Während Sven also der italienischen Hitze in Dublin entkommen ist, hat Ostia kurzerhand ein bisschen irisches Wetter nachgeliefert.
Quer durch Italien nach Apulien
Am Wochenende wollen wir Italien einmal der Länge nach durchqueren, mit einer Übernachtung, fast bis ganz in den Süden an die Adria. Aber es läuft so reibungslos, dass wir kurzerhand beschließen, die ganze Strecke an einem Stück zu fahren. Und so landen wir auf einem großen Olivenhof in Apulien mit einem wirklich idyllischen Platz.

Unser Platz auf dem Olivenhof
Genau die Art von Ort, die wir lieben. Hier tragen sogar die uralten Olivenbäume Namensschilder. Unser Favorit heißt Bernie.

Bernie, der Olivenbaum
Am Sonntag nutzen wir die gewonnene Zeit und wandern hinunter an die Küste. Olivenbäume, Sonne und die Adria: Das kann Italien wirklich gut. Für Lou ist der Felsen am Ufer ein perfekter Aussichtspunkt, und Sven hat vorsichtshalber ihren Rucksack dabei.

Lou an der Adriaküste

Sven an der Küste
Gleich danach geht es wieder auf die Straße: Am Sonntagabend fährt Sven zum Flughafen von Brindisi, denn die Arbeit ruft in Zürich in der Schweiz.
Ostuni, die Weiße Stadt
Als Sven zurück ist, erkunden wir endlich Ostuni, die „Weiße Stadt“, die über unserem Platz auf dem Hügel thront. Und ehrlich gesagt haben wir uns vorher überhaupt nicht informiert. Deshalb sind wir völlig unvorbereitet darauf, wie schön die Altstadt ist.

Die Weiße Stadt im Abendlicht
Weiß gekalkte Häuser, enge kleine Gassen, steile Treppen und eine Atmosphäre, die ziemlich genau dem perfekten Bild einer italienischen Stadt entspricht. Auf dem Platz steht die Säule des heiligen Oronzo mit einer Statue an der Spitze, und ein Stück weiter wird die Stadt noch eine Spur barocker.

Die Säule des heiligen Oronzo

Die Kathedrale von Ostuni
Neben der Kathedrale spannt sich ein kunstvoll verzierter Bogen über die Gasse, durch den abends die Spaziergänger und die Gäste der Restaurants strömen.

Ein Bogen über der Gasse
Und Lou? Die setzt sich auf eine der weißen Stufen und schaut uns an, als würde sie fragen, warum wir nicht gleich hierbleiben.

Lou in Ostuni
Manchmal sind es eben die Orte, die man nicht geplant hat, die sich als die schönsten Entdeckungen herausstellen.